Balu und Du: Gemeinsam wachsen
Einmal in der Woche Zeit schenken, gemeinsam etwas unternehmen und einem jüngeren Kind neue Erfahrungen ermöglichen: Seit dem vergangenen Schuljahr ist unsere Schule ein Standort des bundesweiten Mentoringprogramms „Balu und Du“. Nach dem erfolgreichen ersten Durchgang startet nun die nächste Gruppe von Hagerhof-Schüler:innen in ein gemeinsames Jahr mit ihren „Moglis“.
Die Idee ist einfach: Schülerinnen und Schüler der Oberstufe übernehmen als sogenannte Balus für ein Schuljahr die Begleitung eines Grundschulkindes, des Moglis. Einmal wöchentlich trifft sich jedes Tandem und gestaltet seine gemeinsame Zeit selbst – beim Backen, Basteln oder Sport, bei Ausflügen oder vielen anderen Unternehmungen.
Betreut wird das Programm am Hagerhof von Sabine Geveler. Sie konnte beim ersten Durchgang beobachten, wie aus den zunächst neuen Begegnungen im Laufe des Jahres enge und vertrauensvolle Beziehungen entstanden. Dabei geht es ausdrücklich nicht um Nachhilfe. Die Kinder sollen vielmehr außerhalb des Unterrichts Neues kennenlernen, eigene Interessen und Begabungen entdecken und mit ihrem Balu eine verlässliche Bezugsperson an ihrer Seite haben.

Ein einfaches Konzept mit großer Wirkung
Wie wertvoll eine solche regelmäßige Eins-zu-Eins-Begleitung sein kann, wird seit Beginn des Programms im Jahr 2001 wissenschaftlich untersucht. Studien zeigen positive Auswirkungen unter anderem auf prosoziales Verhalten, Selbsteinschätzung, Konzentration, Selbstorganisation sowie schulische Motivation. Einige dieser Effekte lassen sich auch Jahre nach der Teilnahme noch nachweisen.
Besonders interessant sind die Ergebnisse zur Bildungsgerechtigkeit. In einer Längsschnittstudie erhöhte sich bei teilnehmenden Kindern aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status nach einem Jahr „Balu und Du“ die Wahrscheinlichkeit eines späteren Gymnasialbesuchs um 20 Prozent. Der Effekt war auch fünf bis sechs Jahre später noch feststellbar.
Doch nicht nur die Moglis profitieren. Die älteren Schüler:innen übernehmen Verantwortung, organisieren ihre Treffen selbstständig und erfahren unmittelbar, was Zuverlässigkeit und persönliche Zuwendung bewirken können. Auch der Verein versteht das Programm deshalb als Möglichkeit für die Balus, wichtige soziale Kompetenzen und praktische Erfahrungen zu erwerben.
Mit einem gemeinsamen Abschlusstreffen ging der erste Durchgang am Hagerhof zu Ende. Nun starten neue Tandems in ihr gemeinsames Jahr.
Ein Balu, ein Mogli und regelmäßig ein wenig gemeinsame Zeit – ein erstaunlich einfaches Konzept, aus dem für beide Seiten sehr viel entstehen kann.

