Erinnern heißt Handeln

Holocaust-Ausstellung in der Schulbibliothek

In der vergangenen Woche stand unsere Schule ganz im Zeichen des Erinnerns. Rund um den Holocaust-Gedenktag am 27. Januar hatten alle Menschen am Hagerhof die Möglichkeit, in der Schulbibliothek eine eindrucksvolle Ausstellung zu besuchen, sich intensiv mit der Geschichte des Holocaust auseinanderzusetzen und an Führungen teilzunehmen, die von Schüler:innen selbst vorbereitet und durchgeführt wurden.

Vernichtungsort Malyj Trostenez – Geschichte und Erinnerung

Im Mittelpunkt der Ausstellung stand der Vernichtungsort Malyj Trostenez bei Minsk, der heute in Belarus liegt. Zwischen 1942 und 1944 wurden dort 40.000 bis 60.000 Menschen ermordet – überwiegend Jüdinnen und Juden, darunter viele aus unserer Region. Die Ausstellung würdigte insbesondere das Schicksal von sechs jüdischen Familien aus Bonn. Ihre Lebensgeschichten, Fotos sowie Abschiedsbriefe und andere letzte Lebenszeichen machten das unvorstellbare Leid auf sehr persönliche Weise erfahrbar.

Die Ausstellung wurde von der Gedenkstätte Bonn in Kooperation mit dem NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln und dem Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk (IBB) Dortmund konzipiert und für unsere Schule durch zahlreiche zusätzliche Materialien erweitert.

Ergänzungen aus der Homebase „Geschichte und Demokratie“

Organisiert und pädagogisch begleitet wurde die Holocaust-Gedenkwoche von der Homebase „Geschichte und Demokratie“ im FREIDAY unter der Leitung von Niklas Hendricks und Martina Rohfleisch. Die Schüler:innen bereicherten die Ausstellung unter anderem durch:

  • Lebensgeschichten jüdischer Familien aus Bad Honnef und Königswinter, deren Mitglieder ebenfalls in Malyj Trostenez ermordet wurden
  • Abschiedsbriefe in voller Länge
  • Karten zu den unter der NS-Herrschaft ermordeten Juden in Europa
  • Übersichten zu Konzentrations- und Vernichtungslagern in Mittel- und Osteuropa
  • Fotografien aus Konzentrationslagern
  • Einen umfangreichen Büchertisch mit Literatur für alle Altersstufen
  • Eine Expertenarbeit zum Thema Anne Frank von Luise Stelgens (Klasse 6)
  • Zitate von Hagerhofschüler:innen nach dem Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz

Lernen von- und miteinander

Besonders hervorzuheben ist das Engagement der Schüler:innen der 9. Klassen, die Kurzführungen vorbereiteten und durchführten. Teilgenommen haben Klassen, Kurse und Arbeitsgemeinschaften aus den Jahrgangsstufen 5 bis 10, unter anderem im Geschichtsunterricht, die AG Courage sowie der Kurs „Kreatives Schreiben“. Für jüngere Schüler:innen wurden Führungen in leichter Sprache angeboten.

Die Ausstellung stieß auf große Resonanz und wurde nicht nur im Unterricht, sondern auch eigeninitiativ in den Pausen besucht – von Schüler:innen, Mitarbeiter:innen, Internatsschüler:innen sowie Kolleg:innen aus Verwaltung und Pädagogik.

Auch der Geschichtskurs der Klasse 10d von Schulleiter Dr. Sven Neufert war vor Ort und lauschte gebannt der Führung von Shae, die ruhig, aber eindringlich durch die Ausstellung führte.

Stimmen der Schüler:innen

Viele Besucher:innen setzten sich intensiv mit den Zitaten der jüdischen Journalistin Ruth Weiss auseinander: „Die Vergangenheit hat eine lange Zukunft.“ und „Erinnern heißt Handeln.“ Was diese Worte bedeuten, wurde in den Rückmeldungen der Schüler:innen deutlich:

Sarah betonte besonders das Schicksal der Kinder: „Mich hat am meisten berührt, dass die Kinder am Ende oft alleine waren, weil die Eltern es nicht geschafft haben mitzukommen.“ Für sie bedeutet Erinnern, „zu wissen, wie man am Ende handeln sollte“. Die Ausstellung selbst habe sie als bereichernd erlebt, auch wenn sie sich teilweise eine einfachere Darstellung der Inhalte gewünscht hätte.

Arne hob hervor, wie nah die Geschichte ist: „Besonders, dass man gesehen hat, dass auch Leute aus dem Umfeld – aus Bad Honnef und Rheinbreitbach – ermordet wurden.“ Erinnern bedeute für ihn, aus der Geschichte zu lernen, „um ähnliche faschistische Situationen in der Zukunft zu vermeiden“. Trotz der Herausforderung, frei zu sprechen, sei es ein schönes Gefühl gewesen, die Begeisterung der Zuhörer:innen zu erleben.

Sophie zeigte sich besonders bewegt von den Einzelschicksalen: „Mich haben vor allem die Schicksale der einzelnen Familien berührt.“ Für sie bedeute „Erinnern heißt Handeln“, andere Menschen aktiv zu erinnern – durch Ausstellungen und Museen –, damit diese Zeit niemals vergessen wird.

Shae, die selbst durch die Ausstellung führte, fasste zusammen: „Dass wirkliche Geschichten von echten Familien erzählt wurden, brachte mir das alles noch näher.“ Erinnern bedeute heute vor allem Aufklärung und Verantwortung: „Viele versuchen wieder, Menschen auf ihr Aussehen oder ihren Glauben zu reduzieren. Genau so hat der Nationalsozialismus angefangen – deshalb müssen wir jetzt handeln.“

Nachhaltiges Erinnern

Wie nachhaltig und bewegend die Ausstellung wirkte, zeigt auch die Rückmeldung eines Schülers (Timon) aus der Klasse 10d:

„Mich hat die Geschichte der Familie Greifzu berührt, weil die Kinder sich von ihrer Mutter nicht einmal persönlich verabschieden konnten, sondern nur über einen Brief. Dass sich die Familie so gut aufgebaut hat und am Ende trotzdem alles verloren hat, hat mich sehr bewegt.“

Die Holocaust-Gedenkwoche hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig historisches Lernen, persönliches Erinnern und gemeinsames Handeln sind. Sie war ein starkes Zeichen dafür, dass Erinnerungskultur an unserer Schule lebendig ist – getragen von Engagement, Verantwortung und dem Mut unserer Schüler:innen, Geschichte nicht nur zu lernen, sondern weiterzugeben.