Mehr als 25 Jahre Herz und Haltung

Jochen Bachmann in den Ruhestand verabschiedet

Mit dem Ende des ersten Halbjahres verlässt Schloss Hagerhof ein Lehrer, der unsere Schule über viele Jahre hinweg in besonderer Weise geprägt hat: Jochen Bachmann – erster Arbeitstag am 13. August 1999 – ist Ende Januar in den wohlverdienten Ruhestand getreten.

Verabschiedet wurde er bereits im würdigen Rahmen der Hagerhof-Weihnachtsfeier – bewusst vorgezogen, um ihm jenseits der Hektik von Schulalltag und Zeugnisvergabe vor möglichst vielen Wegbegleitern „Danke“ zu sagen. Schulleiter Dr. Sven Neufert und Lehrerratssprecher Martin Lehnert würdigten in sehr persönlichen Reden das außerordentliche Engagement und die nachhaltigen Verdienste Bachmanns um unsere Schule. Als besonderes Zeichen der Wertschätzung erhielt dieser die „Polyhymnia“ – eine Replika des Kopfes unserer historischen Schlosspark-Statue, die als eine der neun Musen für unseren ganzheitlichen Bildungsanspruch steht, der auch die schönen Künste umfasst.

Jochen Bachmann hat in seinen fast drei Jahrzehnten am Hagerhof weit über den Unterricht hinaus gewirkt. Zunächst als Internatsleiter, dann als langjähriger Beratungslehrer und Ausbildungsbeauftragter prägte er Generationen von Schüler:innen ebenso wie zahlreiche angehende Lehrer:innen im Vorbereitungsdienst.

Ein Herzensanliegen war ihm stets die ganzheitliche Bildung. 2004 gab er den entscheidenden Impuls zur Einführung der „Social Services“ – des verbindlichen bürgerschaftlichen Engagements am Hagerhof. Seit 2007 fest im Schulkonzept verankert, leisten unsere Schüler:innen im Laufe ihrer Oberstufe mindestens 100 Stunden ehrenamtliche Arbeit. Über 80.000 Stunden sind auf diese Weise bereits zusammengekommen. Dieses Projekt steht beispielhaft für Bachmanns pädagogische Überzeugung: Schule soll junge Menschen nicht nur fachlich qualifizieren, sondern sie dazu befähigen, als verantwortungsbewusste Bürger:innen unsere Gesellschaft und Umwelt aktiv mitzugestalten. Solidarisches Handeln, kritische Reflexion und die Erfahrung von Selbstwirksamkeit – diese Werte tragen die Social Services bis heute.

Ebenso engagiert organisierte und betreute er über viele Jahre das Sozialpraktikum in der Einführungsphase. Auch hier ging es ihm nicht nur um das Absolvieren eines Praktikums, sondern um echte Begegnungen, Perspektivwechsel, und die Übernahme von Verantwortung für bedürftige Menschen in unserer Gesellschaft. Er war stets überzeugt, dass Schüler:innen erst an solchen Erfahrungen auch persönlich wachsen und menschlich reifen.

Als Beratungslehrer begleitete Jochen Bachmann Schüler:innen und Lehrkräfte mit großem Feingefühl durch schwierige psychische und soziale Situationen – sehr oft weit über das normale Maß hinaus. Er führte in der Oberstufe die Ziel- und Bilanzgespräche ein, ein inzwischen unverzichtbares Instrument der individuellen Begleitung. In diesen Gesprächen reflektieren die Jugendlichen ihre Ziele, Herausforderungen und Entwicklungsschritte – ein wichtiger Baustein psychosozialer Arbeit.

Auch in der Ausbildung des Lehrernachwuchses setzte er Maßstäbe: Als Ausbildungsbeauftragter entwickelte er ein anspruchsvolles Programm für Studienreferendar:innen und begleitete sie engmaschig, engagiert und mit klarem pädagogischem Anspruch. Viele junge Lehrkräfte haben von seiner Erfahrung, seiner Reflexionsfähigkeit und seinem wertschätzenden Blick profitiert.

Unsere Schulgemeinschaft bedankt sich für fast drei Jahrzehnte Verbundenheit, unzählige Gespräche, Ideen und Impulse, für Beharrlichkeit, Haltung und Menschlichkeit. Jochen Bachmann hat das Leben vieler junger (und auch älterer) Menschen an Schloss Hagerhof nachhaltig bereichert.

Für den neuen Lebensabschnitt wünschen wir ihm von Herzen Gesundheit, innere Gelassenheit und viele erfüllende Momente. Und Zeit für all das, was im intensiven Schulalltag vielleicht zu kurz gekommen ist.