Jazz auf der Schlossterrasse Vol. 3
Ein musikalisches Großereignis mit Strahlkraft
Zu einem besonderen Konzertereignis, wie es der Hagerhof in dieser Form noch nicht erlebt hat, entwickelte sich die dritte Auflage von „Jazz auf der Schlossterrasse“. Unter dem Motto „Let`s get loud!“ präsentierten bei frühlingshaft-sonnigem Wetter insgesamt vier Ensembles ein hochkarätiges Programm: die Hagerhof Rhine Bigband und die Broadway Singers als schulische Ensembles sowie die EMA Junior Bigband und der Bonner Jazzchor als Gastensembles.

Aus organisatorischen Gründen fand der Konzertteil – wie bereits in den beiden Vorjahren – in der Turnhalle statt, während das beliebte Pausencafé der Q1 auf die idyllische Schlossterrasse verlegt wurde.
Auftakt: Von den Wurzeln des Jazz bis in die Gegenwart
Eröffnet wurde der Konzertnachmittag gemeinsam von beiden Bigbands mit dem Jazzklassiker „Basin Street Blues“ aus dem Jahr 1928. Damit war der stilistische Rahmen gesetzt: eine musikalische Reise von den Ursprüngen des Jazz bis hin zu modernen Pop- und Rockadaptionen.
Solistische Glanzpunkte setzten Felix Xie an der Trompete und Silas Kalkofen am Altsaxophon.
Im Anschluss entführte die EMA Junior Bigband, anmoderiert durch die charmante Co-Moderatorin Charlotte Wibel (EF), das Publikum mit Nat Adderleys „Work Song“ in die groovige Hardbop-Ära der 1950er- und 1960er-Jahre, mit einer eindrucksvollen Reminiszenz an die historischen Arbeitslieder / Worksongs als eine Keimzelle des Jazz. Besonders beeindruckten Juliane Kranenberg am Tenorsaxofon und Martin Mähler an der Gitarre.
Jazz, Pop und Filmmusik auf hohem Niveau
Die nächsten Programmpunkte standen ganz im Zeichen genreübergreifender Arrangements: Die Hagerhof Rhine Bigband unter der Leitung von Thomas Heck begeisterte mit einer funkigen Version von Stevie Wonders „Superstition“, bevor die EMA Junior Bigband als legendäre „Cantina Band“ aus Star Wars für ausgelassene Stimmung sorgte. Besonders beeindruckend war die präzise Bläserarbeit der über 20 jungen Musikerinnen und Musiker der Klassen 5- 8, die hervorragend von Juri Eckhoff vorbereitet waren. Hervorzuheben wäre am „unteren Ende“ des Bläsersatzes Annika Baier an der Bassklarinette, die manch sonoren Kontrapunkt setzte!

Nachwuchstalent im Rampenlicht
Einen der Höhepunkte der ersten Konzerthälfte lieferte Max Koch mit „Beat It“. Spielte er sonst Tenorsaxofon in der Hagerhof-Bigband, so wechselte er bei diesem Stück an der E‑Gitarre, wo er Van Halens berühmtes Solo aus dem Jahr 1983 technisch souverän umsetzte. Das Bigband-Arrangement stammte dabei ebenfalls aus seiner eigenen Feder – bemerkenswert, da der Musiker erst 15 Jahre alt ist.
Wertschätzung und Zusammenarbeit über Schulgrenzen hinweg
In seinen Begrüßungsworten griff Schulleiter Dr. Sven Neufert den Titel „Beat It“ auf und deutete ihn als Appell zu Besonnenheit und Konfliktvermeidung – eine zeitlose Botschaft. Zugleich würdigte er die enge, schulübergreifende Zusammenarbeit der Ensembleleiter Juri Eckhoff, Thomas Heck und Jürgen Roth, die jungen Musikerinnen und Musikern wertvolle musikalische Begegnungen ermöglicht.
Bigband-Vielfalt und starke Solisten
Mit „Stompin’ at the Savoy“ und „Wise Up“ zeigten beide Bigbands anschließend die gesamte Spannbreite der Bigbandliteratur – von klassischem Swing bis zu modernem Funk. Zahlreiche Solisten traten hervor, darunter Daniel Lai (Marching-Bariton), Julia Mazur (Altsaxofon), Annika Baier (Bassklarinette) und Jakob Weyland (Trompete), der in beiden Bands auch die erste Trompete spielte.
Den Abschluss des ersten Konzertteils gestalteten die Broadway Singers unter der Leitung von Jürgen Roth, gemeinsam mit der Hagerhof-Bigband. Ihre Interpretation von Roberta Flacks „Killing Me Softly“ überzeugte durch feines Blending, sichere Intonation und ausdrucksstarken Chorklang; den Sopran- und Alt besetzten Clara Solga, Eva Gerlach, Cara Meis und Maria Irsch.
Pause auf der Schlossterrasse
In der Pause nutzten viele Gäste die Gelegenheit zum Verweilen in der Parkanlage. Die Q1 versorgte das Publikum mit Hotdogs, Kuchen sowie kalten und warmen Getränken und unterstützte damit erfolgreich die Abikasse.
A-cappella auf höchstem Niveau: Der Bonner Jazzchor
Nach der Pause setzte der preisgekrönte Bonner Jazzchor unter der Leitung von Andrea Figallo einen eindrucksvollen Akzent. A‑cappella‑Gesang auf höchstem Niveau spannte den Bogen von Herbert Grönemeyers klangsinnlichen„Halt mich“ über das berührende Volkslied „Kein schöner Land“ in moderner Bearbeitung bis zu einem fetzigen „Uninvited“ von Alanis Morissette. Chormitglied und Hagerhof-Lehrer Achim Harting bedankte sich in seiner Ansage herzlich für die Einladung durch den Musik- und Musicalschulleiter Jürgen Roth. Seit Jahren probt das Vokalensemble einmal im Jahr am Hagerhof, dieses Jahr just an dem Konzertwochenende – eine glückliche Fügung für die Programmgestaltung und das Publikum!
(Mehr von dem großartigen Ensemble gibt es am 13. Juni im Bonner Pantheon: Pantheon – A Cappella)

Mitreißendes Finale mit Solistin und Publikum
Instrumental ging es weiter mit „Cool Joe“ (Hagerhof Bigband) und „Another Way“ (EMA Bigband). Während ersteres erneut Raum für Soli bot (Max Koch, diesmal am Tenorsaxofon), animierte Juri Eckhoff das Publikum beim zweiten Titel zum begeisterten Mitsingen.
Einen weiteren Höhepunkt setzte Clara Solga, die „L‑O‑V‑E“ von Nat King Cole in kleiner Combobesetzung eindrucksvoll vokal interpretierte. Unterstützt wurde sie hierbei von Till Handrack, der souverän-swingend das Schlagzeug spielte, Giedre Schellhaas am Bass, Vlad Vaschenko an der E‑Gitarre sowie Thomas Heck (Altsaxofon) und Jürgen Roth (Flügelhorn).
Begeisternder Abschluss und Ausblick
Zum Abschluss machten die letzten beiden Titel dem Namen der Veranstaltung alle Ehre: „Welcome to the Jungle“ als energiegeladene Bigband-Version, dargeboten von der EMA Bigband, bei der Gitarrist Anton Ovrutsky solistisch hervorstach, sowie das gemeinsame Finale „Let’s Get Loud“ von Hagerhof Bigband und Broadway Singers, das mit südamerikanischen Salsa-Klängen zum Tanz auf dem Turnhallen-Parkett animierte.
Das Publikum forderte begeistert und lautstark nach Zugaben und wurde mit „Gonna Fly Now“ (Rocky) und „Watermelon Man“ von Herbie Hancock mehr als belohnt. Nach über zwei Stunden Konzertgenuss gingen die Zuhörer bes(ch)wingt in den Sonntagabend.
Ein besonderer Dank ging am Ende noch an dieLicht- und Tontechnik:siewurde den gesamten Nachmittag hervorragend von Fritz Riede (9a) und Joshua Ahrends (7a) betreut, Daniel Hambuch unterstütztesie hierbeiim Hintergrund.
Das Feedback der knapp 200 Besucher und das Fazit des Organisators Jürgen Roth fiel durchweg positiv aus – und da im Rheinland nach der dritten Durchführung von einer Tradition gesprochen wird, darf man sich schon jetzt auf „Jazz auf der Schlossterrasse 2027“ freuen.
Fotos: Martin Lehnert



















