Mit 13 Jahren zum ersten eigenen Roman
Elias Goertz aus der Klasse 8b hat geschafft, wovon viele Schreibbegeisterte träumen: Sein erster eigener Roman ist erschienen. Für die rund 200 Seiten von „Darklight Legends – Das Neuerwachen“ brauchte er gerade einmal zehn Monate. Eine außergewöhnliche Leistung – und zugleich ein schönes Beispiel dafür, welchen Stellenwert Lesen, Sprache und eigenes Schreiben am Hagerhof haben.
Zehn Monate lang entwickelte Elias Figuren, erfand geheimnisvolle Orte, spann seine Geschichte weiter und brachte schließlich einen vollständigen Fantasyroman zu Papier. Besonders in den Wochen vor Weihnachten 2025 wurde aus dem Schreiben zeitweise ein echter Endspurt: Das Manuskript sollte rechtzeitig fertig werden, damit das Buch im Frühjahr auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt werden konnte.
Das gelang. Carsten Krause, Verleger des Casimir Verlags und Leiter des Wahlpflichtkurses „Kreatives Schreiben“ am Hagerhof, präsentierte dort das Debüt seines jungen Autors. Und die nächste besondere Station steht schon fest: Im November soll „Darklight Legends – Das Neuerwachen“ auf der 52. Kinder- und Jugendbuchmesse in Oldenburg vorgestellt werden.

Eine Geschichte, die immer größer wurde
Dass aus seinen Ideen einmal ein ganzes Buch entstehen würde, war zunächst keineswegs selbstverständlich. Elias schreibt zwar schon lange gerne Geschichten, ernsthafter beschäftigte er sich damit aber seit seinem Wechsel an den Hagerhof. Seit der sechsten Klasse besucht er den Kurs „Kreatives Schreiben“ bei Carsten Krause.
Dort gilt zunächst ein einfaches Prinzip: Eine Geschichte soll entstehen dürfen, bevor Rechtschreibung, Zeichensetzung und sprachliche Feinheiten den Schreibfluss bremsen. Erst schreiben, dann überarbeiten. Bei Elias entwickelte sich aus diesem Ansatz weit mehr als eine Kurzgeschichte.
Im Mittelpunkt seines Romans steht Noen Kaley, ein Junge, der seine Gefühle kontrollieren muss, weil jede unbeherrschte Emotion ein dunkles Monster in seinem Inneren freisetzen könnte. Als Noen die Kontrolle verliert, beginnt eine Geschichte um Magie, Gefahren und ungewöhnliche Begegnungen – aber auch um die Frage, wie man lernt, mit sich selbst und den eigenen Seiten umzugehen.
Nicht nur die Geschichte stammt von Elias. Auch die Idee für das Cover entwickelte er selbst. Und offenbar ist die Welt von „Darklight Legends“ noch lange nicht auserzählt: An einer Fortsetzung arbeitet Elias bereits, Ideen für einen dritten Band gibt es ebenfalls. Der zweite Roman soll 2027 erscheinen.
Dabei besteht das Leben des Achtklässlers keineswegs nur aus Büchern. Elias spielt Fußball und Hockey und sitzt am Schlagzeug. Ob aus dem Schreiben irgendwann einmal mehr als ein Hobby wird, lässt er ganz entspannt offen.
Lesen und Schreiben gehören zusammen
Dass ein Schüler in diesem Alter einen vollständigen Roman schreibt und veröffentlicht, ist natürlich etwas Besonderes. Aber: Kinder und Jugendliche sollen am Hagerhof Literatur nicht nur lesen und analysieren, sondern Sprache auch selbst gestalten.
Seit 2021 ist deshalb „Kreatives Schreiben“ als Wahlpflichtkurs für die Klassen 5 bis 8 im Stundenplan verankert. Einmal pro Woche stehen dafür 90 Minuten zur Verfügung. Nach Angaben des Casimir Verlags sind daraus inzwischen vier Sammelbände mit Texten von rund 60 jungen Autorinnen und Autoren sowie sechs Einzelveröffentlichungen hervorgegangen. Gemeinsam mit unserer Bibliothekarin Martina Rohfleisch hat Carsten Krause zudem in der Vergangenheit immer wieder Hagerhof-Gruppen zur Leipziger Buchmesse begleitet. Bücher sollen so nicht nur Unterrichtsgegenstand sein, sondern als etwas Lebendiges erfahrbar werden.
Krause sieht dabei einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen eigenem Schreiben und Lesen: Wer Figuren erschafft, Konflikte entwickelt und Texte immer wieder überarbeitet, beschäftigt sich intensiver mit Sprache – und entdeckt häufig auch das Lesen neu. Kreatives Schreiben könne neben der Lesekompetenz zudem Perspektivwechsel, Empathie und sprachliche Ausdrucksfähigkeit fördern.

PISA 2025: Lesekompetenz wird zur Herausforderung
Wie wichtig solche Ansätze sind, zeigen die gerade veröffentlichten Ergebnisse der PISA-Studie 2025. Die Lesekompetenz der 15-Jährigen in Deutschland ist gegenüber 2022 erneut deutlich gesunken: Nur noch 68 Prozent erreichen mindestens Kompetenzstufe 2 – jenes Niveau, das die OECD als Mindeststandard für eine erfolgreiche Teilhabe an Ausbildung, Beruf und Gesellschaft betrachtet. 2022 waren es noch 75 Prozent.
Das Problem reicht dabei über das reine Entziffern von Texten hinaus. Wer Kompetenzstufe 2 erreicht, kann beispielsweise die Hauptaussage eines mittellangen Textes erfassen und gezielt Informationen darin finden. Genau diese Fähigkeit zum sinnentnehmenden Lesen fehlt nach den PISA-Ergebnissen mittlerweile fast jedem dritten 15-Jährigen.
Passend dazu: der Rückgang der Buchkäufe gerade bei den 10- bis 15-Jährigen. Krauses Schlussfolgerung aus rund 20 Jahren Schreibförderung lautet deshalb, dass Lesen und Schreiben nicht getrennt voneinander gedacht werden sollten. Wer selbst Geschichten entwickelt, wird vom Konsumenten zum Gestalter von Literatur.
Schulleiter Dr. Sven Neufert sieht in den Schreibkursen einen entsprechend wichtigen Gegenentwurf zu klassischen Unterrichtsformen: „Schreiben hat viel mit Vorstellungskraft zu tun. Eigene Vorstellungen in Sprache zu gießen, kann sehr lustvoll sein, wenn man richtig herangeführt wird. Unsere Schreibkurse sind deshalb wertvoll für unsere Kinder: Hier geht es nicht um Arbeitsblatt-Didaktik und Fehlerquotienten, sondern um die Lust an der Geschichte.“
Unsere Bibliothek, das Angebot des Kreatives Schreibens und die Begegnung mit Büchern und Literatur sollen daher unsere Schülerinnen und Schüler dazu ermutigen, Sprache bewusst zu nutzen, eigene Gedanken auszudrücken und Freude am Lesen zu entwickeln.
Hier auch der Artikel aus dem Bonner General-Anzeiger: Achtklässler schreibt 200-Seiten-Roman in zehn Monaten

